Adrian Johns deckt auf, was wir alles über die Bücher nicht wissen

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Adrian Johns deckt auf, was wir alles über die Bücher nicht wissen

Das Buch über die Bücher. So kann man das Werk von Adrian Johns –Träger zahlreicher Preise, u.a. des Louis Gottschalk Prize, des Preises der American Society for Eighteenth-Century Studies (1998 и 1999), des Professional/Scholarly Publishing Division Award for Best Book in the History of Science and Technology, der Auszeichnung der Association of American Publishers (1998), des Book History Prize, des Preises der Society for the History of Authorship, Reading and Publishing (1998), des Leo Gershoy Award, der Auszeichnung der American Historical Association (1999) – zusammenfassen.

Das Buch „The Nature of the Book: Print and Knowledge in the Making“ ist eine inspirierende Erzählung darüber, wie Autoren, Buchdrucker, Buchhändler und Leser um die Macht auf das gedruckte Papier miteinander im Wettbewerb stehen. Die Beispiele, die Adrian Johns anführt, stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert, doch die Fragen, die er im Zusammenhang mit der vertrauten Leser-Buch-Beziehung aufwirft, sind heute noch aktuell.

Also, was wir alles über die Bücher nicht wissen, dem hochgeschätzten Autor nach:

1. Wer hat den Buchdruck erfunden? Glauben Sie im Ernst, dass es Gutenberg war? Denken Sie noch einmal darüber nach. Der gute Mensch aus Mainz hat sicher in Wirklichkeit gelebt, doch sind die Beweise für jegliche andere Tätigkeit seinerseits fraglich. Kein einziges Buch trägt seinen Namen, niemand weiß genau, wie er ausgesehen hat.

2. Der namhafteste Kandidat, dem die Erfindung des Buchdruckes zugeschrieben wird, ist Faust, der legendäre Magier, der seine Seele an Mephisto verkauft hatte. Eine Verwechslung der Namen bestätigt diese Annahme: Der Buchhalter von Gutenberg war ein Bankier namens Fust, dessen Name ins Lateinische mit Faustus übersetzt wird. Die Verknüpfung der Druckpresse mit den magischen Fähigkeiten gewann an Attraktivität und begann sich bald in verschiedenen Formen zu reproduzieren.

3. Seit ihrer Entstehung will die Typographie sowohl eine Wissenschaft als auch eine Kunst sein. Die Tradition der klassischen Architektur und Mathematik folgend, glaubten die Typographen, dass die Buchstaben ausschließlich mit Kombinationen aus geometrischen Formen – Kreisen, Quadraten und Vielecken zu gestalten sind.

4. Der Diebstahl geistigen Eigentums ist keine Erfindung der modernen Gesellschaft. Die ersten „Piraten“ tauchten lange vor den modernen Hackern kurz nach der Erfindung der Druckpresse auf. Um 1525 erfuhr Martin Luther, dass nicht autorisierte Auflagen seiner Bibel zu Preisen gedruckt wurden, die 90mal unter den Preisen lagen, die mit seinen Verlegern wurden. Die Piraterie eroberte die Welt des Buchdrucks und nahm das Vertrauen in jedes wahres Buch weg. Die Urheberrechte erhielten breite Popularität und hatten die Aufgabe, die Piraterie von dem Buchdruck fernzuhalten und das zügellose Kopieren zu kriminalisieren.

5. Was bedeutet eigentlich das Lesen? Die Beschreibungen des Leseerlebnisses – der physiologischen und psychischen Prozesse – variieren über die Zeit. Während der Renaissance hatten sich Physiker und Philosophen an die Magie, die Theologie und der Anatomie gewandt, um die Effekte vom Lesen zu erklären. Heutzutage greifen wir zur Psychologie. Die Wahrheit ist, dass wir uns real nicht vorstellen können, dass wir beim Lesen unbewusst in ein Gespräch mit den Männern, Frauen und Kindern der Vergangenheit kommen.

Berücksichtigen Sie diese Punkte das nächste Mal, wenn Sie die Literaturklassik aufmachen.